Heute stand ich in der Umkleidekabine von H&M und habe mich in dem über drei Wände verteilten Wandspiegel in einer weissen Hose, dich ich mir endlich leisten wollte (nicht wegen des Preises, das steht bei H&M ausser Diskussion, sondern weil weisse Hosen breiter machen (hab ich mal irgendwo in einer exklusiven Frauenzeitschrift gelesen)), von allen Seiten betrachtet. Unerwartet fiel der Blick auf meinen Hinterkopf. Ich musste gleich zwei mal hinschauen, um sicher zu gehen, das es sich bei diesem Hinterkopf um meinen handelt. Aber tatsächlich, es war meiner. Oh! Mein! Gott! Welche Katastrophe! Meine Frisur! Die Farbe! Wie kann ich mit dieser Haarfarbe, dieser Mischung, bloss unter Menschen bewegen! Das sind die ersten Gedanken, die mir durch den Kopf schiessen.
Wozu hat man Freunde, wenn nicht dafür, dass sie einem darauf aufmerksam machen, das man ziemlich peinlich, bedenklich, als eine Gefahr für den guten Geschmack, durch die Landschaft läuft? Gut, es sollte schon sehr dezent geschehen und nicht in der Art wie „Du siehst heute echt beschissen aus. Solltest dringend etwas mit deinen Haaren machen.“ oder „Oh mein Gott! Was ist bloss mit deinen Haaren passiert? Hat dein Friseur Mist gebaut?“. Ich bevorzuge „Ich war gerade beim Friseur und habe mich verwöhnen lassen. Das solltest du unbedingt auch mal wieder machen. Man fühlt sich anschliessend wie neugeboren“ oder „Ich will mir wieder einmal etwas Gutes tun. Ich werde beim Friseur das volle Programm buchen. Kommst du auch mit? Zu zweit macht es einfach mehr Spass.“ So in etwa stelle ich mir das vor. Aber was tun meine Freunde?! Gar nichts. Sie lasse mich so unter die Leute. Kein Wort verlieren sie über meinen inakzeptablen Zustand. Sind den alle blind vor Liebe? Dazu muss muss erwähnt werden, dass ich in meinem Freundeskreis eine der vier letzten Singles bin. Und das mit dreiunddreissig Jahren. Könnte einem, bei längerem Nachdenken, direkt in Panik versetzten. Deshalb nehme ich an, das sie sich gerade in der „wir-sind-alle-nett-zu-ihr-weil-sie-noch-immer-keinen-Mann-abgekriegt-hat-Phase“ befinden.
Meine erste Tat nach dieser erschreckenden Enddeckung – ich renne ins Kaufhaus und kaufe mir eine Haartönung. Auf der Heimfahrt kommen mir bereits die ersten Bedenken. Ich erinnere mich an die katastrophalen und selbstzerrstörerischen Selbstversuche in der Vergangenheit (blaue Haare, karottenfarbenen Haare, etc.). Teilweise wurde ich von den Leuten nicht mehr erkannt. Kurzerhand ändere ich meine Pläne. Werde meinen Zustand noch einwenig länger zu ertragen, ihn ignorieren und mache einen Termin bei meinem Friseur aus.

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