Freitag, Oktober 06, 2006

Haare

Heute stand ich in der Umkleidekabine von H&M und habe mich in dem über drei Wände verteilten Wandspiegel in einer weissen Hose, dich ich mir endlich leisten wollte (nicht wegen des Preises, das steht bei H&M ausser Diskussion, sondern weil weisse Hosen breiter machen (hab ich mal irgendwo in einer exklusiven Frauenzeitschrift gelesen)), von allen Seiten betrachtet. Unerwartet fiel der Blick auf meinen Hinterkopf. Ich musste gleich zwei mal hinschauen, um sicher zu gehen, das es sich bei diesem Hinterkopf um meinen handelt. Aber tatsächlich, es war meiner. Oh! Mein! Gott! Welche Katastrophe! Meine Frisur! Die Farbe! Wie kann ich mit dieser Haarfarbe, dieser Mischung, bloss unter Menschen bewegen! Das sind die ersten Gedanken, die mir durch den Kopf schiessen.

Wozu hat man Freunde, wenn nicht dafür, dass sie einem darauf aufmerksam machen, das man ziemlich peinlich, bedenklich, als eine Gefahr für den guten Geschmack, durch die Landschaft läuft? Gut, es sollte schon sehr dezent geschehen und nicht in der Art wie „Du siehst heute echt beschissen aus. Solltest dringend etwas mit deinen Haaren machen.“ oder „Oh mein Gott! Was ist bloss mit deinen Haaren passiert? Hat dein Friseur Mist gebaut?“. Ich bevorzuge „Ich war gerade beim Friseur und habe mich verwöhnen lassen. Das solltest du unbedingt auch mal wieder machen. Man fühlt sich anschliessend wie neugeboren“ oder „Ich will mir wieder einmal etwas Gutes tun. Ich werde beim Friseur das volle Programm buchen. Kommst du auch mit? Zu zweit macht es einfach mehr Spass.“ So in etwa stelle ich mir das vor. Aber was tun meine Freunde?! Gar nichts. Sie lasse mich so unter die Leute. Kein Wort verlieren sie über meinen inakzeptablen Zustand. Sind den alle blind vor Liebe? Dazu muss muss erwähnt werden, dass ich in meinem Freundeskreis eine der vier letzten Singles bin. Und das mit dreiunddreissig Jahren. Könnte einem, bei längerem Nachdenken, direkt in Panik versetzten. Deshalb nehme ich an, das sie sich gerade in der „wir-sind-alle-nett-zu-ihr-weil-sie-noch-immer-keinen-Mann-abgekriegt-hat-Phase“ befinden.

Meine erste Tat nach dieser erschreckenden Enddeckung – ich renne ins Kaufhaus und kaufe mir eine Haartönung. Auf der Heimfahrt kommen mir bereits die ersten Bedenken. Ich erinnere mich an die katastrophalen und selbstzerrstörerischen Selbstversuche in der Vergangenheit (blaue Haare, karottenfarbenen Haare, etc.). Teilweise wurde ich von den Leuten nicht mehr erkannt. Kurzerhand ändere ich meine Pläne. Werde meinen Zustand noch einwenig länger zu ertragen, ihn ignorieren und mache einen Termin bei meinem Friseur aus.

Mittwoch, September 13, 2006

Freunde, amigos, friends, amici...

Eine Laudatio an meine Freunde. Ich finde es grossartig, überwältigend und wunderschön, dass ich so tolle Freunde habe. Es ist das Beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist. Ohne sie könnte ich nicht leben. Ohne sie keine Freunde, kein Lachen, keine Tränen, keine News, kein Tratsch, kein Austausch, keinen Ärger, keinen Spass, keine Veränderung, keine Vernunft, kein Weiterkommen, keine endlosen Telefongespräche, keine spontanen Weinabende mit unendlichen, sinnvollen und sinnlosen Diskussionen über das Leben. Freunde sind Leben, Energie, Herz, Tränen, Sorgen, weil man sie vermisst, Sorgen, weil man sich von ganzem Herzen wünscht, dass es ihnen gut geht und man will, dass sie nur das Beste bekommen, dass sie glücklich sind, .

Ich sitze hier und weine. Ich schaue in den Himmel und sehe mir die funkelnden Sterne an, ich denke an euch. Ihr alle trefft euch Morgen in einer kleinen Hütte in den Bergen, und ich kann nicht dabei sein. Ich habe euch so viel zu erzählen, ich will euch ganz fest drücken, ich will euch sagen, dass ich euch vermisse, dass ich euch von ganzem Herzen liebe....

Ihr akzeptiert mich, so wie ich bin – chaotisch, liebenswert, verrückt, unberechenbar, langweilig, nervig, oberflächlich, faul, ausgeflippt, energiegeladen, lachend, weinend, traurig, unzufrieden, glücklich, ...

Ich vermisse euch.....

Dienstag, August 29, 2006

Höhenrausch inklusive Sturzflug

Meine gewissenhaft und akkurat zusammengestellte, dezente und doch auffallende Bewerbung war erfolgreich. Hurra! Werde zum Gespräch eingeladen. Die Aufregung ist gross. Euphorie, Stolz und ein kleinwenig Hochmut überfällt mich. Hab ich doch die 100 MitbewerberInnen in einer dicken, beissenden Staubwolke, gleich nach dem Start, hinter mir gelassen und befindet mich im Leaderfeld.

Die Vorbereitung. Die Kleiderfrage. Bei Frauen eine nicht zu unterschätzende Angelegenheit. Was ziehe ich an? Der Kleiderschrank quillt über, aber genau für diesen „Auftritt“ findet sich nichts passendes. Die „Verpackung“ soll gleichzeitig dezent und doch ausgefallen, weiblich und doch adrett, selbstbewusst und doch natürlich sein. Bloss nicht im 0815-Look aufkreuzen. Nach stundenlanger Beratung mit der besten Freundin, nach unendlichem Abwägen des „Für und Wieder“, analysieren der möglichen Interpretationen, steht das Outfit fest und die Vorbereitung ist vorerst Abgeschlossen.

Der Tag der Entscheidung. Von Nervosität befallen, wache ich bereits in den frühen Morgenstunden auf. Verbringe endlose Stunden im Bad und erste Selbstzweifel nagen an mir. Wurde die richtige Kleiderwahl getroffen? Ist der Job wirklich das Richtige für mich? Wirke ich zu aufgedonnert? Mein Gott – mir ist schlecht!

Der Termin. Viel zu früh treffe ich bei der besagten Firma ein und muss vor dem Gebäude die Zeit totschlagen, da es keinen guten Eindruck macht, wenn man bereits dreissig Minuten vor der vereinbarten Zeit aufkreuzt. Endlich ist es soweit. Die Nervosität hat den Siedpunkt erreicht, den ich will diesen Job wirklich. Nebenbei ist der Verstand und das Gen, dass zum artikulieren von ganzen, zusammenhängenden und klugen Sätzen benötigt wird, nach unten gerutscht, was man ansonsten nur bei Männern in erregtem Zustand kennt.

Das Gespräch. Man schleicht sich vorsichtig an das Objekt, in diesem Fall der neue Arbeitgeber, ran. Wie weit kann ich gehen, was wird erwartet, wie wirke ich auf mein Gegenüber. Der erste Teil gestaltet sich ungezwungen. Der (hoffentlich) zukünftige Arbeitgeber erklärt die Firma und den Aufgabenbereich. Dann kommt der schwierigere Teil (und das verflixte Gen ist immer noch nicht wieder aufgetaucht). Ich muss Fragen beantworten. Stärken/Schwächen (ich habe keine Schwächen!), weshalb ist man für diesen Job qualifiziert (Ich bin gut!), wo sieht man sich in fünf Jahren (als ob ich das wüsste).

Nach dieser anstrengenden und an den Nerven zerrenden Prozedur kommt das aller schlimmste. Das Warten. Als ob Frau dafür geschaffen wurde. In der Fantasie sehe ich mich bereits am neuen Arbeitsplatz, wie ich tolle Projekte bearbeite, die Arbeit Spass macht und ich verstehe mich mit den Arbeitskollegen blendend.

Der Tag der Entscheidung. Ich schaue alle fünf Minuten auf das Handy. Es klingelt, ich hebe ab und in genau dreissig Sekunden werde ich mit Lichtgeschwindigkeit auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Absage. Man hat sich für die jüngere Bewerberin entschieden. Der Entscheid sei ganz knapp ausgefallen. Man macht locker Konversation (wieso konnte man das beim Vorstellungsgespräch nicht?) und bedankt sich (wieso bedanken sich Frauen für einen negativen Bescheid?) und legt auf. Nach ein paar Minuten unter Schock (wie konnte MIR das bloss passieren) bahnen sich die Gefühle einen Weg an die Oberfläche. Am Boden zerstört, Trauer, Wut, Tränen, Selbstzweifel, Demütigung, Schmach.... Bin ich zu dumm? Kann ich überhaupt etwas? Gebe mich dem Selbstmitleid voll und ganz hin. Schokolade, Wein, Chips, sich im Bett verkriechen (leider alleine) - das volle Programm. Nach einem Tag hat das Trauern ein Ende. Ich rapple mich auf. Die sind selber schuld, wenn sie mich nicht wollen. Das werden sie noch bereuen. Auf zu neuen Taten! Welt, ich komme!

Sonntag, Juni 25, 2006

Fette Tauben

Sind „korpulente“ Tauben (geschmackvoll formuliert) ein Zeichen für den wirtschaftlichen Aufschwung? Diese Frage könnte man sich in DER Bankenstadt der Schweiz ohne weiteres stellen. Fragt sich nur, ob sich darüber überhaupt jemand Gedanken macht.

Die Bewohner sind beschäftigt mit Geniessen, dolce far niente, flirten, feiern und in Sachen Mode geben sie den Ton an. In diesen Dingen sind sie Weltmeister. Und das ist gut so. Wer sonst kann denn noch so richtig geniessen, weiss was geniessen heisst.

So wird sich die Beantwortung der Frage noch einwenig hinauszögern. Könnte auch sein, dass man mit der Antwort in der Tageszeitung konfrontiert wird. „Tierschützer sorgen sich um die Gesundheit der Tauben“, „Immer mehr Arbeitslose in der Schweiz“, etc. Lassen wir uns überraschen.