Die Wohnung setzt ganz langsam Staub an, ein leichter Film auf den Buchrücken, beim Öffnen des Fensters wirbelt der Staub durch die Wohnung und zwischen unterschiedlichen Gegenständen bilden sich „Spennhopele“. Die weissen Bilderrahmen nehmen die Farbe von hellem Grau an und morgens muss erst das Bügeleisen in Betrieb genommen werden, damit man frisch angezogen aus der Wohnung gehen kann, falls die Wäsche gewaschen ist. Freunde rufen an, vergeblich. Antwort erhalten sie selten und wenn, fängt der erste Satz mit einem „Sorry, aber... „ an. Und dies auch nur, falls man in diesem Stadium noch Freund hat.
Arbeit ist schön, Arbeit gehört zum Leben, Arbeit mach Spass, ganz sicher, wenn man den Erfolg der Arbeit ernten kann. Wie entstehen aus Spass rund 600 Überstunden? Ist es zu viel verlangt, dass man seine Arbeit perfekt machen und das bestmögliche rausholen will? Was, wenn andere den Applaus für den Erfolg ernten, für den man sich abgerackert hat?
Aus diesen zwei Teilen besteht mein momentanes Leben. Ein tristes Leben, falls dies überhaupt als Leben bezeichnet werden kann. Das Ende ist in Sicht, falls ich dort ankomme: 14 Tage, oder 336 Stunden, oder 20‘160 Minuten, oder 1‘209‘600. Noch so lange dauert es, bis dem Leiden der unzähligen Überstunden ein Ende gesetzt wird.
Passend zum heutigen Tag, mein Horoskop: Mars ist in Konflikt mit Ihrem Geburtsstern Venus - Sie können nicht ohne Leidenschaft agieren. Zeit, diese Leidenschaft in meinem Privatleben einzusetzen.
Spass muss sein! Guetzli backen mit dem Gottemeidli, mit der Freundin bis tief in die Nacht diskutieren, einen Weihnachtsmarkt besuchen und sich den Hinter abfrieren, 400 Franken für einen Hosenanzug ausgeben, ganz viele Freunde einladen und sie bekochen, mit einem lieben Freund sinnlos Wein trinken und guten Sex haben (nein Jöri, es geht dich nichts an, mit wem ich Sex hatte) – es gibt viel nachzuholen. Die Wohnung ist geputzt, die Kleider sind gewaschen – ich bin bereit für den 15. Dezember J

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen